BLOG Müller unterwegs

Hallo!
In diesem Blog werde ich mich mit meinen Reiseaktivitäten auf dem Fahrrad beschäftigen. Aktuell stehe ich in den Vorbereitungen für eine Fahrt nach und durch Ostdeutschland, die im Juli/August diesen Jahres stattfinden soll. - Wenn Ihr mitverfolgen wollt was ich alles im Vorfeld der Reise so unternehme und was während der Reise daraus wird, so ist dies hier die Adresse um auf dem Laufenden zu bleiben...

Hallo!
in this blog I will write about my traveling activities riding a bicycle. The project I am preparing recently is a journey to and through eastern Germany which should happen in July/August this year. Maybe you want to follow this blog, read what I am doing to prepare me for this trip and what it will be like in the end - so this is the right address to be up to date...

Laura und Oertelsbruch

KZ-Gedenkstätte Laura

Wer oder was ist eigentlich Laura? Laura ist der Name einer KZ-Gedenkstätte bei Lehesten. Hier wurden die Treibwerke der V2-Raketen in einem bis da hin als Steinbruch genutzten Schiefervorkommen, dem Oertelsbruch getestet. Der damalige Betreiber wurde 1943 für dieses Vorhaben zum Verkauf des damals sehr lukrativen Schieferbruchs überredet. Genauer: er wurde gezwungen den Schieferbruch zu einem Spottpreis zu verkaufen. Die Firma wurde in eine Scheingesellschaft überführt die formal vorgab weiter Schiefer abzubauen. Der Ort wurde gewählt weil man davon ausging das die weit von England entfernte Lage hilft, die Triebwerk-Tests zu verbergen. Man glaubte das der bei den Tests entstehende Lärm von der ansässigen Bevölkerung als Schiefer-Abbau verstanden wird. Damals wurde die Raketenforschung- und und der Bau aus Penemünde weiter von England weg und unter die Erde verlegt. Das Ganze wurde dezentralisiert angelegt. Sterförmig um das Lager ‘Mittelbau Dora’ gab es sternförmig angeordnet zuarbeitende Betriebe.

Der Oertelsbruch hatte große Höhlen auf mehreren Etagen im Berg hinterlassen. In diesen Höhlen wurden Anlagen zur Sauerstoffanreicherung und Lagerung des Brennstoffs geschaffen. Leitungen zum Kühlen der Treibwerke förderten Wasser aus den tieferen Lagen der Höhlen - eine umfangreiche Infrastruktur wurde von den KZ-Insassen geschaffen und erhalten. Das Lager wurde in dem ehemaligen Bauernhof des Oertelsbruchs eingerichtet. Der Hof liegt an einem Hang auf einem Absatz direkt neben dem Schieferbruch. Dort war der Lagerbetrieb nicht von Außen einsehbar und eine Flucht quasi unmöglich.

Unter den zu Spitzenzeiten etwa 1000 Inhaftierten befanden sich neben den Üblichen Insassen eines solchen Lagers auch ca 150 italienische Militärangehörige die nach dem Gesinnungswechsel Mussolinis sich unerwartet in Feindesland befanden. Das Aufsichtspersonal setze sich aus Menschen zusammen die in anderen Lagern bereits den ruf besonderer Brutalität errungen hatten. Bei den Anforderungen an die Häftlinge ein Paradox: für die zu verrichtenden Arbeit wurden zum größten Teil qualifizierte Spezialisten benötigt die man nicht an jeder Ecke findet. Diese Menschen unter Bedingungen zu internieren die zweifellos zu deren Tod führen würden ist keine kluge Idee und hat sich sehr schnell auch als solche herausgestellt. So gab es dann unterschiedliche Behandlungen je nach Wichtigkeit der Inhaftierten. Die Italiener waren weder der Zwangsarbeit, noch den klimatischen Bedingungen in Thüringen gewachsen - aus ihrer Gruppe gab es keine Überlebenden.

Mit dem steigenden Kriegsdruck auf das dritte Reich wurden die Lieferwege zwischen den unterschiedlichen Produktionsstätten zunehmend schwierig. So stapelten sich in Laura die getesteten Triebwerke da man sie nicht zurück nach Dora transportieren konnte. Es zeichnete sich ab das das Lager aufgelöst und die Internierten in andere Lager transportiert werden müssen. Die die den Transport überlebten wurden in den neuen Gefängnissen von den anderen Häftlingen getrennt da es sich um Geheimnisträger handelte und man befürchtete das ihr Wissen die Kriegsmoral gefährden könnte.

Mit Kriegsende geschah das was so an den Raktenproduktionstellen passierte: Die Amerikaner kamen und nahmen mit was sie tragen konnten, dann kamen die Russen und betrieben Resteverwertung, sprich: sie testeten die von den Amerikanern zurück gelassenen Triebwerke und transportierten danach alles nach Russland. Der Umstand das der Ort ein KZ war ist darüber aus den Augen verschwunden.

Eine LPG nutzte den Bauernhof für die landwirschaftliche Produktion und alles nahm seinen Gang als gäbe es die schlimme Vergangenheit nicht. Es ist Bewohnern auf dem Bauernhof zu verdanken das viele der heutigen Exponate noch existieren. Der Umgang mit dem Lager änderte sich erst als Überlebende des Lagers zum Gedenken an den Ort kamen und die Situation kritisierten. Von da an wurde der Ort als Gedenkstätte ausgebaut.

Die Wohnanalgen des ehemaligen Oertelsbruch sind heute ungenutzt - sie beschäftigen sich seit kurz nach dem Mauerfall mit ihrem eigenen Verfall. Die Ansiedlung verstrahlt eine zauberhafte Tristesse des Verfalls, ist aber auch ein Tummelplatz für Geo-Cacher und Leute die Eingänge zu dem Stollensystem im Schieferbruch suchen - Aus den Kellergeschossen der Häuser gab es direkte Eingänge dort hin - allerdings sind die betreffenden Häuser heute eher Müllhaufen als Orte die ich betreten würde.






Das Kulturhaus

Eigentlich kannte ich es nur als Sparkasse - aber für die Leute in Lauscha ist es ‘das Kulturhaus’. Ich ging nur dort hin um Geld abzuheben - die verschiedene Menschen erzählten mir immer wieder das ich es unbedingt mal anschauen sollte.

…wer kann da am Ende noch nein sagen?

Über das Gemeindebüro kam ich an jemanden der mir die Räume aufschloss und durfte da so lange fotografieren wie ich wollte - und nebenher konnte ich dann auch endlich heraus finden was es mit dem Gebäude auf sich hat.

Um es kurz zu mache: es ist ein wahrer Schatz! Anscheinend in den Sechzigern erbaut ist es seitdem in exakt der Erscheinung geblieben die man ihm damals gab. So fotografierte ich einen Traum des Sechziger-Designs in Holz (also, fast alles…). Das Gebäude wurde in der traditionellen Bauweise vieler Häuser in Lauscha errichtet: Erdgeschoss in Stein und der Rest in Holzkonstruktion. Das Parkett ist inzwischen verständlicherweise in die Jahre gekommen so das es überall knarzt und knirscht wenn man sich in dem Saal bewegt, aber ich glaube das das bei einem voll besetzten Raum nicht mehr so ins Gewicht fällt.

Früher von der Gemeinde betrieben kümmern sich nun zwei Vereine um den Erhalt und die Bespielung der Räumlichkeiten. Zur Zeit für ein Paar Konzertveranstaltung und in der Karnevals-Session exzessiver genutzt müsste hier eigentlich ein engmaschigeres Programm stattfinden. Wahrscheinlich fehlt dafür im Moment das Personal und die Zeit. Ich mag ja diesen Sechziger-Kram, aber der Raum ist auch wirklich toll…

Kulturhaus Lauscha - 180 Grad Panorama von der Bühne aus gesehen


Zu Besuch bei einer Glasbläserin

Nach all den leicht depressiven Kapiteln dachte ich das ich mal was ganz Anderes machen könnte. Über eine Ramona, Künstlerin der Goetheschule und Glasmalerin ist der Kontakt zu einer Glasbläserin zustande gekommen die zufällig ihre Schwester ist. Wir hatten einen Termin ab gemacht an dem sie mir zeigen wollte wie sie verschiedene Objekte aus Glas herstellt.

Als ich bei Ihr ankam war Ramonas Schwester gerade auf dem Weg aus der Wohnung - wollte das Moped von der Reparatur abholen. Sie hatte unseren Termin vergessen und schon mit Arbeiten aufgehört. Aber, kein Problem, die Flamme kann man ja auch schnell wieder anwerfen.

Kurze Zeit später kniete ich vor dem Tisch an dem sie die Objekte bläst und konnte am Rausch der Geschwindigkeit teil haben. Innerhalb kürzester Zeit entstanden vor meiner Linse Objekte die man sich so in der Wehnachtsbaum hängt. Die meisten Sachen unter einer Minute. Ich kam mit den Fotos kaum hinterher. Christbaumschmuck ist zwar Heimarbeit, hat aber schon eher was von Akkordarbeit. Ich bin beeindruckt!

Gefühlte fünf Minuten später stand ich wieder auf der Straße. Ich möchte nicht wissen wie viele Sachen sie verhunzt hat bevor sie in solcher Geschwindigkeit zu arbeiten gelernt hatte.

Der Bahnhof und das Stellwerk

Lauscha hat einen Bahnhof der erkennen lässt wie wichtig die Bahnverbindung einmal für den Ort war. 1886 wurde der Ort an das Bahnnetz angeschlossen. Auf diese Art wurde der Glasindustrie das Tor zur Welt geöffnet. Bis da hin mussten die Erzeugnisse der Glasherstellung zu Fuß etwa 25 Kilometer nach Sonneberg (dem nächsten Bahnhof) transportiert werden.

Ca. 1914 wurde die Strecke von hier aus zu weiteren Orten erweitert und ein neues Bahnhofsgebäude erstellt das für einen solchen Ort einen doch sehr repräsentativen Charakter hat. Neben Schalter- und Wartehalle gab es hier auch eine große Gaststätte mit zwei Räumen.

Bis zum Mauerfall wurde auf der Strecke mit 27 Beschäftigten umfangreicher Güter- und Personenverkehr abgewickelt. Der Bahnhof hatte ein eigenes Stellwerk das heute als Baudenkmal von Eisenbahn-Enthusiasten erhalten und zu Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Es befindet sich quasi in dem Zustand in dem es 1999 zur Stillegung der Strecke befand.

Die Deutsche Bahn hatte beschlossen das die Tragfähigkeit der Brücken auf der Strecke nicht mehr für die Befahrung mit Zügen geeignet sind. Damit war die Verbindung zwischen Steinach und Sonneberg gekappt - diese beiden Orte sind die Bahnknotenpunkte um weiter durch die Welt zu kommen. Es ist der Hartnäckigkeit von Interessengruppen aus der Gegend zu verdanken das es heute wieder eine Bahnverbindung, immerhin zwischen Steinach und Neuhaus über Lauscha gibt. Es fahren Schienenbusse in stündlicher Taktung.

Das Bahnhofsgebäude ist vor Jahren an einen Privatmann verkauft worden der Schwierigkeiten hat, es zu erhalten bzw einer neuen Nutzung zuzuführen. Es arbeitet dort heute niemand mehr. Ein automatisches System kümmert um die Steuerung des Fahrbetriebs. Ob die Bausicherung am Dach des Bahnhofs das Gebäude auch zukünftig vor eindringender Feuchtigkeit und Fäulnis-Schäden bewahren kann ist angesichts der abrutschenden Dachpappe unwahrscheinlich. Drinnen erinnert eher wenig an einen Bahnhof. Die meisten Einrichtungsgegenstände sind entfernt worden.




Die Kugelfabrik

Seit über hundert Jahren werden in Lauscha Christbaumkugeln hergestellt. Nach wie vor werden in Heimarbeit Kugeln geblasen, verspiegelt und bemalt. Der Standard dieser Arbeiten ist hoch und der so hergestellte Schmuck hat so seinen Preis.

Es gab auch maschinelle Produktionen für Schmuck. Die Kugeln waren etwas dickwandiger und schwerer, aber dafür billiger - eben Produkte für den Massenmarkt. Die Konkurrenz auf dem Massenmarkt ist groß, was die Hersteller zu Veränderungen trieb.

Ich habe schon lange keinen Ort mehr gesehen an dem von jetzt auf gleich alles stehen und liegen gelassen wurde, so wie bei der Kugelfabrik in einem Wohngebiet. Drum herum adrette Häuschen, schön sauber herausgeputzt und direkt daneben ein Haus bei dem das Dach langsam einstürzt und die Zeit stehen geblieben ist.

Überall Kartons mit Kugel-Rohlingen, fertigen Kugeln und Baumspitzen, es riecht nach Chemikalien und Farbe - so als wenn gleich alle Mitarbeite aus der Pause zurück kämen und weiter machen würden. Wenn nicht das Dach so langsam einstürzen würde während die Feuchtigkeit den Wänden den Rest gibt. Komisch, das niemand die Materialien geborgen hat - allein das noch unverarbeitete Glas hat ziemlichen Wert. So wie’s aussieht wird das Zeug aber einfach weiter da rum liegen bis der Bau komplett in sich zusammen gesackt ist.

Draußen scheint die Sonne und die Welt tut als wenn es diesen Ort gar nicht gäbe - eben ein Lost Place…

das 'Schiesshaus'

Zu Zeiten der DDR war Lauscha ein gut besuchter Ferienort. Neben anderen Firmen unterhielt der Fahrzeughersteller Sachsenring dort ein großes Ferienlager. Zur Urlaubszeit hat sich die Bevölkerung der Stadt gut und gern verdoppelt.

Eine der Ferieneinrichtungen war auch das Erholungsheim der VEB Nähmaschinenwerke Altenburg. Ein hotelähnlicher Betrieb am Rand vom Lauscha, der Erscheinung nach in den späten Achtizigern des letzten Jahrhunderts gebaut. Die Einheimischen nennen es ‘das Schiesshaus’

Das Erholungsheim Altin in Lauscha

Nach dem Mauerfall wurde der Nähmaschinenhersteller reprivatisiert und in ALTIN (Altenburger Textilindustrienähmaschinen) umbenannt. Unter dem Namen Altin Erholungsheim lief der Betrieb noch eine Weile weiter, dann war aber weder der Nähmaschinenhersteller, noch der Hotelbetrieb weiter zu halten.

Die Urlauberzahlen gingen kontinuierlich zurück und potentiellen Interessenten an dem Gebäude verloren schnell ihr Interesse. Seit den frühen nuller Jahren steht das Gebäude ungenutzt. und bröselt leise vor sich hin.

Wie alle Häuser in Lauscha versucht es unbemerkt den Hang herunter zu rutschen während aus dem Berg das Wasser von hinten ins Fundament drückt.

Drinnen gibt es gepflegten Vandalismus - aber auch gelebte Entkernung. Während verlassene Gebäude in Westdeutschland meistens intensiv durchvandalisiert werden und bestenfalls die Metalldiebe raus rupfen was geht sind in Ostdeutschland schon eher die Baustoff-Liebhaber am Werk: Heizkörper ordentlich abgebaut, Fensterrahmen ausgebaut, Waschbecken und Kloschüsseln ausgebaut. Ich habe teilweise Gebäude besucht die aussahen wie ein Rohbau. Im Ferienheim ist es eine Mischung von Beidem: Die Baustoff-Liebhaber sind immer noch am Werk, aber auch der Vandalismus hat getobt - und das gründlich! Das Dach ist Dicht, aber die Feuchtigkeit kommt aus dem Berg und ist überall in den unteren Etagen deutlich wahrzunehmen. Dazu kommt noch das unter dem Anbau in dem sich früher einen Gastronomie befand ein Löschwasser-Reservoir angelegt ist. Das Gebäude liegt so hoch im Tal das der Wasserdruck nicht zum Löschen reicht. Aus dem ‘Pool’ zieht die Feuchtigkeit gründlich in die Wände so das bereits Moos an der Wand wächst. Im Wasser liegt allerhand hinein geworfener Krempel - ein paar Amphibien haben sich hier ein ruhigen Plätzchen geschaffen.

Man kann noch erahnen wie modern und groß das Gebäude seinerzeit angelegt wurde - aber ein Großteil ist halt verschwunden. In einem Kaminzimmer fand ich eine Wandplatte mit einer Grafik auf der Menschen beim Zusammenbauen von Nähmaschinen zu sehen sind. In dem Raum muss es solche Bildtafeln früher umlaufend gegeben haben.

Eine Ausstellung und ein Workshop

Nach meiner Ankunft in Lauscha habe ich die Ausstellungswände mit Bildern bestückt. Mit gebracht hatte ich die Projektionsarbeiten, die Lesbos-Serie und die ‘Kleinen Müllers für alle Gelegenheiten’ - auch als Bild des Tages bei Facebook und Instagram zu sehen. Sagen wir mal so: die Wandfläche ist gut ausgenutzt ;)

Vergangenen Mittwoch war die offizielle Vernissage. Schön mit Plakat, frugalem Buffet und netten Gästen. Es wurde viel gerätselt welche der kleinen Motive in Lauscha sind und welche nicht. Bis zum Mittwoch, den 12.6. werden die Sachen hängen bleiben - dann werden die Arbeiten gehängt die während meines Aufenthalts in Lauscha entstanden sind.

Mittwoch den 12.6. werde ich um 19:00 einen Bildvortrag über meinen Aufenthalt auf Lesbos halten. Alle sind herzlich eingeladen.

Gestern war der Workshop ‘sei ein Tier’ bei dem wir mit Projektion experimentierten. etwa 15 Personen haben teil genommen - in ziemlich lockerer Atmosphäre. Hier ist eine kleine Auswahl der entstandenen Bilder


Wie man eine Sache vor den Hund bringt

Die Leute hier erzählen mir von Plätzen die ich unbedingt hier im Ort besuchen sollte - einer davon ist das ehemalige Glaswerk an der Obermühle.

Hier wurde bis zur Wende Glasprodukte für industrielle Anwendungen produziert - Glasfasern für Filter und Isolationen, mikro-Glaskügelchen für Reflektionsflächen, Bleiglas und Anderes.

Der Betrieb wurde an einen Amerikanischen Investor verkauft, der sich den knapp fünfstelligen Kaufpreis über den Verkauf der beweglichen Produktionsmittel zurück holte. Der Betrieb stand ab diesem Zeitpunkt still.

Eines verschafften sich Arbeiter mit gefälschten Grundbuchauszügen Zugang zu dem Gelände und entfernten das Metall aus dem Gebäude. Sie machten auch vor tragenden Komponenten keinen Halt. Die Schwerkraft erledigte den Rest.

So bröckelt das Gelände leise vor sich hin, durch Giftstoffe belastet und vom Umland als Schuttabladeplatz genutzt.


Zu Gast in Lauscha

Gartendekoration in Lauscha

Ich habe mich für einen Gastaufenthalt in der Goetheschule in Lauscha beworben - und bin durch das Auswahlverfahren gekommen. Mein Aufenthalt ist vom 17.5.bis 15.06. und Gestern bin ich mit Almuts Hilfe angereist.

Warum bin ich hier? Sicher nicht nur weil ich mich um diesen Platz beworben habe. Es ist meine Neigung, verlassene Orte zu fotografieren - solche Plätze soll es hier in der Gegend reichlich geben. Lauscha und die umliegenden Ortschaften waren zu Zeiten der DDR ein Schwerpunkt der Glasindustrie - sowohl für technische Anwendungen als auch für kunsthandwerkliche Arbeiten. Mit der Wende und den daraus resultierenden Effekten auf die ostdeutsche Industrie sollte sich dabei vieles ändern.

Der Bevölkerung des Ortes hat sich seit dem Mauerfall von rund 10.000 auf 3000 reduziert. Das lässt sich nicht verbergen. Während im Ortskern optische Verschönerung betrieben wird zeigt sich mit zunehmender Entfernung von dort mehr oder minder offensichtliche Verwahrlosung. Die Häuser - traditionell ab dem Erdgeschoss in Holz konstruiert - wurden den Bedürfnissen entsprechend immer wieder aufgestockt und erweitert. Das führte dazu das bei dem bestehenden Platzmangel in dem engen Tal die Häuser dicht an dicht stehen und teilweise auch ineinander gebaut wurden.

Beim aktuellen Leerstand bzw. bei der Tatsache das in ehemals von Grossfamilien bewohnten Häusern nur noch die Großeltern wohnen können notwendige Reparaturen nicht mehr durchgeführt werden. Im Stadtbild fallen immer wieder baufällige Häuser auf die sich mehr oder weniger deutlich auf den Weg ins Tal machen wollen. Es gibt so gut wie keine ebenen Flächen in der Stadt - so wenig eben das hier Autos auch gern mal mit vorgelegtem Bremsklotz geparkt werden. Manche Wohnlagen sind so steil das sie im Winter nur noch zu Fuss erreichbar sind.

Der Ort hält immer noch große Stücke auf die Galsbläserkunst - zurecht, wie ein besucht im Glaskunst-Museum nahe legt. Es gibt auch eine Glasbläserschule und Betriebe die industriellen Bedarf decken. Das steht in einem unwirklichen Kontrast zu der sichtbaren Stagnation.

Früher war Lauscha auch Luftkurort und Trainingszentrum für die Skisprung-Olympioniken der DDR. Die Sprungschanzen sind jedenfalls noch da. Wer da heute noch trainiert muss ich noch heraus finden.

16.8. Kilometer machen bis nach Köln

Der erste Kahn mit richtig lautem Motor tuckerte um kurz nach sechs vor meinem Zelt vorbei - warum nicht auch gleich aufstehen? Ich hatte ja eine Menge vor…
Käsebrote zum Frühstück (so ne Überraschung) und die Klamotten zusammen gepackt. Ich war tatsächlich vor acht Uhr auf der Strecke. Auf der STraße war noch kaum was los aber auf dem Fluss war schon ordentlich Betrieb. Die Wolken hingen noch im Rheintal aber die Sonne beginnt schon, einen schönen Tag anzukündigen.

Das Rad läuft konstant 20 Stundenkilometer. Gegen 9:30 erreiche ich Koblenz. Von da aus nimmt der Weg eine Abkürzung über Land. Hier wird gerade ein Atommeiler abgerissen.
Ich kam an der Brücke von Remagen vorbei, beziehungsweise an ihren Resten, denn auch sie wurde, wie die Hindenburg-Brücke zu Kriegsende gesprengt. Heue ist in einem der alten Brückenköpfe ein Friedensmuseum.


Viele Brücken und Verbindungen in Ost-West-Richtung sind nach dem Krieg zerstört worden und wurden nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut. Das hat dazu geführt das heute noch in Deutschland die waagrechten Bahnstrecken schwach ausgeprägt sind. Direkt nach dem Krieg waren keine Mittel für einen Schellen Aufbau der gesprengten Verbindungen vorhanden und mit der Deutschen Teilung brauchte man die Strecken mehrheitlich nicht mehr. Sie wurden zurück gebaut und durch eigenartige Busverbindungen ersetzt die bis heute noch Freude und Heiterkeit bei denen hervor rufen die sie benutzen müssen.
Mich führte mein Weg heute bis kurz vor Köln auf den Campingplatz Hotel Berger, quasi der letzte Campingplatz vor der rheinischen Hauptzivilisation und in seiner Anlage ziemlich komfortabel - aber für Reisende mit Zelt und Rad ungeschlagen günstig.
150 Kilometer habe ich heute geschafft - wegen oder vielleicht doch besser trotz des Rhein-Radwanderwegs. Ich persönlich würde sagen das die Anlage dieses Weges von viel gutem Willen aber von wenig Interesse an der Praxistauglichkeit angelegt wurde. Es ist eine Mischung aus geteerte, gepflasterten und geschotterten Wegen unterschiedlichster Qualität. Auf dem Weg sind locker Barrieren verteilt die ihn für Radfahrer mit Gepäck, Anhänger oder eben Sonderräder wie meines nahezu unpassierbar machen. Speziell bei der Bevölkerung in den Ortschaften gibt es über Verwendung der Uferpromenaden keinen Konsens. Neben Schildern, die die Radfahrer zum Schieben im Ortsbereich auffordern und  grundloses Angebelle von Radfahrern durch Passanten sind auch hier Barrieren angelegt die den Weg für Radfahrer unattraktiv machen sollen. Besondere Spezialität: Schilder, die Radfahrern einen Weg zur Umfahrung anbieten und sie an den Rand des Universums schicken. Ich würde sagen das hier deutlicher Klärungsbedarf besteht weil ansonsten die Radwege entlang des Rheins weder ein zusammenhängender Radweg, noch von der Bevölkerung gewünscht ist.
Niemand kann ernsthaft glauben das Radreisende in den Ortschaften ein paar Kilometer ihr Rad schieben - schließlich will man auch irgendwann mal ankommen.

Ich hatte für die letzte Etappe auf ähnlich sonniges Wetter gehofft wie heute, aber der Wetterbericht prophezeite ein ergiebiges Regengebiet das von Köln über Wuppertal nach Dortmund ziehen sollte. Und so sah das dann auch am Freitag Morgen aus - schwarze Wolken so weit das Auge reicht und Sturmböen. Ich hatte die Wahl zwischen ‚mit nassen Sachen in Dortmund ankommen‘ und ‚trocken ankommen und ein paar wichtige Dinge geregelt bekommen‘

seh ich Köln im Regen...


Ich investierte 25 Euro in einen Fahrkarte und ließ das man mit dem fetten Sportlichen Einsatz im strömenden Regen und fuhr lieber durch eben diesen regen mit dem Zug.
Bei der nächsten größeren Radreise werde ich bei festen Terminen davor immer einen Puffertag einplanen damit sich das Reiseziel ohne Streß und Bahneinsätze erreichen lässt. Es hat auch was Feines wenn man bei Regen einfach mal nen Tag liegen bleiben kann oder sich den Luxus eines halben Reisetags gönnen kann.
Na, ja, diese fahrt hat sich auch recht kurzfristig ergeben und konnte an vielen Stellen nicht so sorgfältig durchdacht werden…