BLOG Müller unterwegs

Hallo!
In diesem Blog werde ich von meinen Reiseaktivitäten berichten. Fast alle meine Reisen mache ich mit dem Rad. Wer wissen möchte was Müller in seiner Abwesenheit so erlebt, sollte hier immer mal wieder vorbei schauen.

Hallo!
in this blog I will write about my traveling activities. I am doing most of my journeys by bicycle. Maybe you want to be up to date, knowing what Müller is doing when not at home. So this is the right address to be up to date...

Unser letzter Tag

Irgendwann musste er ja kommen - der letzte Morgen ist angebrochen. Die Küche schickt uns drei Tüten mit gefühlt 100 Sanwiches, ein letztes mal die sagenhaften Müsli-Bären zum Frühstück - die Betten abziehen und zurück in ihre Pappkartons stopfen, die Zimmer sauber machen und die Habseligkeiten in die Koffer stopfen.

Tja, und dann bekam Eva Brechdurchfall! Mit einem mal war nicht wirklich an eine Busfahrt nach Budapest zu denken, geschweige denn an Koffer schleppen oder die Heimreise im Zug.

Was tun? - erst mal abwarten, bei der Apotheke an der Ecke hilfreiche Mittelchen besorgen und schauen ob sich der Zustand wenigstens so weit bessert das sie laufen kann.

Wir gingen in der Zwischenzeit nen Kaffee/Kakao/Limonade im Dorfbistro trinken und besprachen die Lage.

Ein paar von uns wollten noch ein paar Fotos auf der Margaretenbrücke schießen bevor der Zug nach Wien abfuhr. Der Rest wollte gern noch was vor der Abfahrt Essen. Es kam zu folgendem Plan: Alle Jugendlichen fahren zusammen mit Zita nach Budapest - Essen oder Fotos machen und wir treffen uns dann rechtzeitig bei der U-Bahnstation von der es aus weiter zum Bahnhof Keleti geht. Von dort soll unser Zug nach Wien abfahren.

Leider wollte es Eva im Lauf des Nachmittags nicht besser gehen - wir entschieden gemeinsam das ich sie in der Obhut der Schwestern ließ und machte mich allein auf den Weg nach Budapest.

Wie geplant vereinten wir uns an der Station Kalman Ter.

Ab hier hätte alles super und ohne Stress laufen können wenn nicht plötzlich die Idee aufgekommen wäre das so ein Fahrkartenautomat eine super Gelegenheit ist um das Münzgeld los zu werden. Der Versuch, so einen Apparat mit unserem Metallgeld zu überfüttern führte zu ‚gewissen‘ Verzögerungen die Bevökerung Budapests recht ungeduldig und mich ängstlich machte ob wir wohl unseren Zug überhaupt noch erreichen würden. Etwa zwei Kilo Münzgeld später standen wir - gerade noch rechtzeitig - in der U-Bahn Richtung Keleti.

Unser Zug wartete schon - wir mussten uns von Zita verabschieden und wuchteten unsere Koffer in den Waggon. Die reservierten Plätze waren flauschig und es gab Strom und WIFI. Eva schickte uns WhatsApp-Nachrichten über ihren nicht wirklich besseren Zustand - sie hofft das sie in zwei Tagen reisefähig sein wird.

Es gab auch Menschen die ihren Abschied von Ungarn mit landestypischen Lebensmitteln zelebrierten, ansonsten war die Stimmung im Abteil eher schweigend.

Umsteigen in Wien war, wie auch bei der Hinreise, total unkompliziert. Wir mussten nur aus dem Zug steigen und auf dem Bahnsteig warten bis der Nachtexpress einfuhr. Wien war die erste Station - es gab etwas Trubel beim Einsteigen. Zu unserer Unterhaltung hatte vor unserem Einstieg ein Kamerateam des ORF Position bezogen - es war an alles gedacht.

Im Nachtexpress gab es noch eine Menge zu bereden - die meisten von uns fanden erst gegen Mitternacht ihr Plätzchen auf der Liege.

Ab hier war bereits alles Routine - der Schaffner weckte uns morgens mit dem Frühstück, wir bauten unser Abteil um und warteten auf unsere Ankunft in Düsseldorf. Dort wartete bereits der Fahrdienst nach Bocholt. Ein letztes Foto, dann ging’s in alle möglichen Richtungen auseinander.

Budapest sehen und...

Liegt gut in der Kurve…

Sonntag - ein Ausflug nach Budapest steht an - aber vorher erst mal ausschlafen und geruhsam frühstücken. (das habe ich irgendwo anders auch schon mal geschrieben ;-)

Unser erster Stop in Budapest war die Synagoge und ein bisschen auch das jüdische Viertel. Die größte noch existierende Synagoge Europas sieht ziemlich beeindruckend aus - aus ihrer Geschickte zu hören ist weniger schön. Die Spuren des Mordens sind heute mit verschiedenen Mitteln der Erinnerungskultur deutlich gemacht. Im Hof der Synagoge, in dem früher ein großes Becken für die rituellen Waschungen war wurde zu Ende des Krieges die noch verbliebenden Bewohner des Ghettos erschossen. Aus dem becken wurde ein Massengrab - und später eine Gedenkstätte die zumindest die Namen der bekannten Toten zu benennen.

Hinter der Synagoge befindet sich der Baum der Erinnerung. Das ist eine Skulptur aus Metall die einer Trauerweide nach empfunden ist. Die Blätter tragen die Namen aller bisher bekannten Toten des Jüdischen Viertels. Der Baum wird regelmäßig mit neuen Ästen und Blättern ergänzt. So wird versucht, die zahlreichen Schicksale fassbar zu machen.

Da nach sind wir auf die Margareteninsel gefahren um zu Schwimmen - ist ja nicht so als wenn wir das nicht schon mal gemacht hätten. Aber natürlich noch nicht im Spaßbad auf der Margareteninsel: 30 Grad warmes Wasser, jede Menge Platz und Rutschen für den absoluten Geschwindigkeitsrausch. Wir hatten sogar richtig Glück - während wir im Wasser tobten zog haarscharf an uns eine ordentliche Gewitterfront vorbei - die hat dann Eva abgekommen als sie mit dem Bus vom Abgeben des ach so schönen Mietwagens vom Flughafen zurück fuhr.

Wir trafen uns danach in der Innenstadt um den Sonnenuntergang an der Donau zu erleben (muss Mensch einfach mal…) Die Letzten Fotos in Budapest zwischen all den anderen Touristen die aus ähnlich sentimentalen Gründen dort aus ihren Bussen gekippt wurden.

Armenspeisung

Noch mal Mittag Essen vor der Arbeit

Heute ist Samstag, der Tag der Armenspeisung. Wir treffen uns mit Schwester Katharina und Schwester Johanna um elf Uhr. Nicht, wie wir dachten, um schon mal die Sachen für die Ausgabe zu sortieren sondern um in einem Powerpoint-Vortrag etwas über die Lebensumstände derer zu erfahren die heute die Zuwendungen bekommen. Schwester Johanna hatte viel zu erzählen und das was sie zu erzählen hatte gab uns einen Einblick darin wie lang der Atem sein muss wenn man die Lebensumstände von Menschen nachhaltig ändern will. Einen Großteil der auf den Bildern zu sehenden Menschen kannte sie persönlich und konnte dazu eine Lebensgeschichte erzählen die oft genug keinen guten Verlauf nahm.

Wir hatten ordentlich Sachen zu wuchten bis alle Leute in der Schlange versorgt waren. Von 13:00 bis 16:15 stopften wir ununterbrochen nach den Anweisungen der Stamm-Mitarbeiter unterschiedliche Nahrungsmittel in Tüten. Es fühlte sich an als würde es kein Ende nehmen wollen.

Nach all dem Essen das durch unsere Hände ging hatten wir ordentlich Hunger - da haben wir nach einem Abstecher zur Limobude die örtliche Burgerschmiede überfallen die für jeden Geschmack was zu bieten hatte - sogar für die reichlich vorhandenen Mücken gab es richtig was zu naschen.



Auf zum Balaton

Eiin Fussballstadion für den lieben Prinz…

Heute gings zum Balaton - aber vorher erst mal ein bisschen Ausschlafen und noch ein Sprung auf den Markt. Dann machten wir uns mit zwei Autos auf den Weg. Auf der Strecke liegt eine Fussball-Akademie die der Staatspräsident seinem Sohn (und seinen Fussball spielenden Freunden) dort hin gesetzt hat. Wirkt etwas überdimensioniert an dem Ort.

Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir den Plattensee und dort auch ein schönes Bad in dem wir einen entspannten Tag verbrachten. Der See ist toll - er hat ein flaches Ufer das es ermöglicht bis weit in den See hinein zu stehen - oder sich zu döppen ;-)

Als wir Abends zurück kamen wartete ein lustiges Schnitzel auf uns - Verhungern ist während dieses Aufenthalts völlig ausgeschlossen!

Die Schnitzel, der Reis, die Brote, Müsli-Bärchen und alle Anderen…

Trip in die Vergangenheit

mit dem Motto ist man unsinkbar…

Wir hatten einen Termin mit dem Heimatmuseum von Zsambék - es gibt in der Stadt ein Schwabenhaus das so realistisch wie möglich eine Einrichtung zeigt wie sie vor 100 bis 150 Jahren üblich war. Der Besuch hat so Einiges klar gemacht: die Wohnverhältnisse waren beengt, dunkel und im Winter ziemlich kalt. Die Kinder mussten in einer Schublade schlafen die unter dem Bett der Eltern hervor gezogen wurde und überhaupt alle Mitglieder der Familie - meist drei Generationen - schliefen in einem Raum. die Ausnahme war die Hochzeitsnacht - da mussten alle Anderen sehen wohin sie sich verkrümeln…

es gab weder WIFI noch Fernsehen - so haben die Leute sich die Zeit mit viel handwerklichen Arbeiten und der Ausschmückung ihres Umfelds vertrieben. Uns wurde berichtet das das Leben unter diesen Verhältnissen schön gewesen sei - so behauptete zumindestens die Frau die uns geführt hat…

Im Anschluss gab es eine Rallye durch den Ort auf der es nach weiteren Spuren der Donauschwaben zu forschen galt. Überall gut versteckt lassen sich solche Hinweise finden.

Nachmittags ging es noch mal zum Seifenmachen bzw. Kerzenziehen.

Im Anschluss haben wir uns mit unseren ungarischen Begleitern über die kulturellen Unterschiede unterhalten die uns während unseres Aufenthalts aufgefallen sind.

Von Seife und Kerzen

Ein Held im Kräutergarten

Hier der zweite Blogeintrag der chronologisch zwei Tage durcheinander würfelt:

In der Rubrik ‘beschützendes Arbeitsumfeld’ gibt es noch zwei weitere Werkstätten in einer davon werden Seifen hergestellt. Die Basis dieser Seifen ist Olivenöl, Soda und etwas Wasser - und, je nach Sorte, Kräuter die hier im eigenen Garten gezüchtet werden. Wir wurden unter Anleitung der Seifenfachfrau heute selbst zu Seifenmachern, Mischten Soda in das warme Öl, verquirlten alles mit dem Zauberstab und mischten Blüten unter die Masse. Dann füllten wir die Majonaise-ähnliche Masse in die Holzmodel.

Übrigens braucht es nach dem Kochen eine Woche bis die Masse erstarrt ist und weitere sechs Wochen bis die Seife richtig getrocknet ist - ein Naturprodukt ohne Hilfsstoffe braucht seine Zeit. Daher haben wir uns aus der bereits fertig produzierten Palette was für Zuhause eingepackt.

Bevor ich’s vergesse - wir haben natürlich auch eine Führung durch den Kräutergarten bekommen - da war bei dem Sonnigen Wetter richtig was los: Kräuter-Schmetterlinge, mehrere Kräuterkatzen und auch ein Kräuterhund waren dort zu beobachten…

Ganz anders lief es beim Kerzen ziehen. Die Mitarbeiter dort gaben sich größte Mühe, uns in die Geheimnisse der Kerzenmacherei einzuführen - und wir gaben uns auch unsere größte Mühe - allerdings wichen die Ergebnisse nach teilweise frustrierend langer Anlaufzeit doch deutlich von den fertigen Kerzen der Profis ab. Mag sein das es eine Arbeit für Menschen ist die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, Geschick und Geduld erfordert sie trotzdem!

Weil es am Wachstopf zu Drängeleien gekommen wäre durften zwei von uns kleine Heiligen-Reliefs aus Gips effektvoll bemalen, Kreuze veredeln oder Wachsdekorationen in Model gießen. Die Stimmung dort war sehr gut und auch die Sprachbarriere war kein wirkliches Hinderniss dabei. Trotz der nun offen gelegten mangelhaften Eignung zum Kerzen ziehen gingen wir extrem gut gelaunt zurück.

…und dann war da noch die Sache mit dem Tanzen. Es gibt da in Ungarn jemanden Namens Gabor der es sich vorgenommen hat und in die Geheimnisse alter Ungarischer Tänze einzuweihen. Es war sicherlich nicht leicht, aber er hat es versucht und es ging ohne schwere Verletzungen. Einen Film könnte ich hier nur einfügen wenn ich ihn bei Youtube, Vimeo oder Ähnlichem hoch lade. daher gibt es hier eine Galerie wahrscheinlich ähnlich aussagefähiger Bilder ;-)








Schwimmen in Ungarn

Heute: mit der Drachenbändigerin ins Freibad

Heute war ein Ausflug ins Freibad geplant - zusammen mit Jugendlichen aus der Gegend bestiegen wir Morgens um neun zwei Busse und kurvten erst mal ein Stündchen durch die Landschaft bis wir bei dem Freibad ankamen. Leider wurde es aus dem Besuch nichts da ein Teil der Schwimmbecken unbenutzbar war.

Die Neigungsgruppe ‘Schwimmen’ kurz vor der Abfahrt

Also, wieder alle in die Busse und noch ein bisschen weiter durch die Gegend gegurkt bis wir zu einem Schwimmbad kamen wo mehr Schwimmbecken funktionierten. Dort verbrachten wir einen Tag mit Herumtollen im Wasser, der Erobern eines überlebens-großen, aufblasbaren Hai, Gammeln auf dem Handtuch und dem Konsum von Slush-Eis. Alles Tätigkeiten bei denen man leicht in Kontakt mit den Einheimischen kommen konnte - und auch kam. Gerade im Schwimmbecken gab es keinerlei Berührungsängste - es klappt auch ohne viele Worte…

Zum Abendbrot waren wir wieder Zuhause - ein Abend zur freien Verfügung und zwei Gruppenleiter in geheimer Mission: der Vorbereitung der Stadtrallye…

Die Basilika von Zsambék



Es wird Ernst - auf ins Altenheim oder in die Tonwerkstatt

Montag Morgen: nach dem Frühstück trafen wir uns mit Schwester Katharina und Schwester Johanna um über den Premonstratenser-Orden und das was er in Zsambék bewirkt zu sprechen.

An dieser Stelle muss ich noch einfügen wie viele Schwestern aktuell hier wirken.

Der Orden hat eigentlich nichts anderes gemacht als im Ort Bedürfnisse zu erkennen und versucht Hilfe zu schaffen. So entstanden seit 1995 eine Kindertagesstätte, eine Grundschule, weiterführende Schule bis zur Gynmasialreife und eine Berufsschule für die klassischen Handwerker-Tätigkeiten Maurer, Schlosser, Automechaniker, Schreiner, Zimmermann, aber auch Informatiker, Wirtschaftsinformatiker, Hebamme, Krankenschwester, Altenpflegerin, Schneider…

Neben den Bildungsangeboten übernimmt der Orden Bürgschaften für Familien die aufgrund der Verhältnisse sonst von der staatlichen Fürsorge auseinander gerissen würden. Außerdem kümmern sich die Schwestern um Wohnmöglichkeit für Menschen die sich aufgrund ihrer sozialen oder finanziellen Umstände keine eigene Bleibe leisten können. Es gibt auch eine tägliche Versorgung mit Lebensmitteln für die Ärmsten der Armen. Sie betreiben Werkstätten für Menschen die auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt keine Chance haben…

Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Bei der Schilderung von Schwester Katharina war deutlich zu merken wie sehr sie mit ihrem Herz an dem Projekt und dem Erfolg all der Maßnahmen hängt und mit wie viel Vertrauen in die Fügung sie sich indie damit verbundenen Risiken stürzt. Sicher hätte sie noch einiges länger berichten können aber ihr Handy rief und wir sollten heute ja auch noch ein paar der Einrichtungen kennenlernen.

Wir hatten zwei Gruppen gebildet, die an zwei Tagen wechselnd das Altenheim und die Tonwerkstatt besuchen wollten. Ich fasse die zwei Termine jetzt mal in einem Blog-Beitrag zusammen.

Zum Altenheim wurde die erste Gruppe von Schwester Johanna begleitet. Sie führte uns in der Einrichtung herum und stellte uns ein paar der dort wohnenden Damen vor - es handelte sich um deutsch-sprachige Leute die sich offensichtlich freuten mal wieder auf Menschen zu treffen mit denen sie sich in ihrer Muttersprache unterhalten konnten.

Kurze Zeit später fanden fanden wir uns in dem kleinen Park des Altenheims im Schatten eines großen Walnussbaums wieder und wurden zugetextet - auch gern von den Menschen die gar kein Deutsch konnten - Besuch ist halt Besuch! Ein paar von uns hätten sicherlich sofort als Enkelin oder Enkel anfangen können ;-)

Zur Mittagszeit haben wir auch noch bei der Verteilung des Essens mit geholfen - dann waren wir entlassen und durften selbst etwas essen.

Die Gruppe in der Tonwerkstatt wurde nach einer Führung durch die Einrichtung ein Arbeitsplatz zugewiesen wo wir uns bis Mittags dem lustigen Ton-Ausstanzen widmeten. Zahllose Schmetterline, Blümchen, Kleeblätter und Pilze wuchsen aus unseren Händen - fast wie Weihnachts-Bäckerei, nur das man die nicht essen kann…

Nach zwei Stunden extatischer Stanz- und Formarbeit wurden wir entlassen. vorher machten wir noch einen Abstecher in die Regale wo die fertigen Sachen aufbewahrt wurden. Hier fand so mancher noch ein hübsches Mitbringsel für Zuhause.

Nach dem Mittagessen gab’s Bildung: Bernadette machte mit uns einen Sparchkursus Ungarisch. Es war nur die ganz kleine Tüte Wörter aber die waren auch schon so kompliziert das wir daran sicher noch lange zu knabbern haben werden.

Kirchfest und Burgenviertel

Bären auf dem Teller

Der Morgen begrüßte uns bärig - Müsli-bärig. Diese Ungarische Variante einer Frühstücks-Cerealie sollte und also jetzt jeden Morgen anlachen. Generell lacht uns am Tisch so einiges an. Verhungern weren wir während unseres Aufenthalts auf jeden Fall nicht.

Heute ist auch Kirchfest. Wir sind herzlich eingeladen den dazu gehörigen Gottesdienst zu besuchen. Für den feierlichen Anlass war die kleine Barock-Kirche gut gefüllt und für die Messe wurde kein Detail ausgelassen - alle Altäre gesegnet, alles aufgefahren was an Würdenträgern zu bekommen war und natürlich jede Menge Weihrauch…

Nach der Messe besuchten wir den um die Kirche aufgebauten Markt. Es gab viel Kunsthandwerk, Naschzeug und selbst gemachte Sachen. Bei dem schönen Wetter war auch die Stimmung gut.


Noch schnell eine Gulasch(!)Suppe und dann in der brütenden Hitze zur Bushaltestelle. Wir wollen nach Budapest - es ruft das Tourismus-Programm. Der Bus ist klimatisiert und lädt zum Chillen ein.

Wir sind heute ins Burgenviertel gegangen. Hier hat alles was mal Herrscher in Ungarn war eine Burg, ein Schloss oder einen Anbau an eines dieser Gebäude hinterlassen. Grund genug für die Heerscharen von Touristen sich diesen Ort mal anzusehen. So auch wir. Zusammenfassend kann man sagen: sieht hübsch aus, das Eis ist okay und die Aussicht auf die Stadt ist einzigartig. Als wir unsere Köpfe ausreichend mit Touri-Kram voll gestopft hatten sind wir den Berg herunter gelaufen (um mit der Bahn zu fahren hätten wir ein paar Stunden anstehen müssen) und haben dann auf eigene Faust ein bisschen die Innenstadt erkundet.

Nach einer - äh - erfrischenden Busfahrt mit Schlafmöglicheit zurück nach Zsambeck wartete eine köstlich Chili con Carne auf uns…


Auf nach Zsambéck

Eine unverbrauchte Reisegruppe

28.06.2019, kurz vor neun Uhr Abends auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof: Eine hoffnungsvolle, aber ahnungslose Reisegruppe trifft sich im Halbdunkel des etwas abgelegenen Gleis 20 (ich hatte bis da hin gar keine Ahnung das es diese Gleis in Düsseldorf gibt)

Um uns herum sonderbare Menschen mit großen Rucksäcken oder Koffern, teilweise mit Kissen und Kuscheltieren unter dem Arm. Das ist das Gleis auf dem der Nachtzug nach Wien auf seine Fahrgäste wartet und wir haben für diese Nacht zwei Schlaf-Abteile gebucht denn wir wollen Morgen Nachmittag in Zsambék ankommen.

Was werden wir dort machen? In diesem Ort gibt es eine von Premonstratensern betriebene Mission die wir besuchen und erleben wollen. Wir, das sind acht Schüler des KAPU, Eva Olejok, dieSchulseelsorgerin und meine Fragwürdigkeit (als Betreuer und Fototierchen gebucht). Ich schreibe in den folgenden Blogbeiträgen von dem was wir auf unserer Fahrt erlebten und sorge für die Bebilderung.

Der Abfahrtzeitpunkt kam immer näher - wir stiegen in den Zug und versuchten uns in den Abteilen einzurichten, die, offen gesagt kaum unser Gepäck aufnehmen konnten. Hier sollten wir also zu sechs Leuten die Nacht verbringen. Bullenhitze, nicht nur auf dem Bahnsteig sondern auch um Zug - das versprach ja lustig zu werden.

Die Abfahrt zog sich hin - der Schlafwagenschaffner kam durch und erzählte was zur Klimaanlage und wollte wissen was wir Morgen frühstücken wollen. Wir wollten erst mal fahren und das ließ nach wie vor auf sich warten. Ab und zu rumpelte es im Zug - es wurden noch Wagen angekoppelt. Irgendwann kam dann auch mal die Lokomotive und versorgte den Zug mit Strom - die Klimaanlage erwachte zu Leben und das Licht ging an. Das wurde auch Zeit denn inzwischen dämmerte es bereits, es war kurz vor 22:00 und wir hatten uns immer noch nicht bewegt. Schlafwagen-Reisen haben offensichtlich wenig mit dem Rausch der Geschwindigkeit zu tun. Als das Teil endlich Fahrt aufnahm geschah das auch eher geruhsam - es bleibt spannend ob wir wohl pünktlich in Wien ankommen.
Teile von uns verbrachte den Beginn der Fahrt mit Karten spielen im Sitzabteil - erst so gegen halb zwölf versuchten wir alle uns irgendwie in unserer Koje einzurichten. Es passte wie reingeschossen und unter denen im obersten Stock machte sich die Sorge breit, sie könnten aus dem Bett heraus rollen und in die Tiefe stürzen. Nicht dergleichen geschah. Es war zwar ungewohnt in einem sich ständig bewegenden Bett zu schlafen aber so knittrig wie manche behaupteten waren wir bei unserer Ankunft in Wien gar nicht. Es gab sogar noch ein reichhaltiges Frühstück: zwei Brötchen, eine Packung Butter und eine Packung Marmelade und ein Getränk der Wahl. Wenn man den Aufstrich sorgfältig einmassiert reicht er sogar für beide Brötchen…

Umsteigen in Wien: fast wie neu, teilweise noch im Schlafanzug…

Die Zugfahrt nach Budapest bot uns eine sich langsam verändernde Landschaft - es sah irgendwie immer ungarischer aus. Auch unsere Mitreisenden brachten den Hauch den neuen in unser Leben - und wenn es auch teilweise nur der Hauch neuer, bisher in dieser Intensität ungekannter Zigarettenaromen war. Je näher wir an Ungarn heran kamen desto langsamer wurde das WIFI im Zug - sollte vielleicht ein Zeichen sein. Als wir um elf Uhr dreissig in Budapest Keleti einfuhren hatten wir jedenfalls erst mal genug von Zug fahren. Der Bahnhof war zwar ganz hübsch aber wir wollte weiter - mit der U-Bahn zum Busbahnhof und dann mit dem Überlandbus nach Zsambeck. Kurz nach zwei Uhr Mittag stiegen wir bei brütender Hitze (alte Bekannte) aus dem Bus und holperten mit unseren Koffern zu unserer Unterbringung.

Uns wurde ein herzlicher Empfang bereitet. Schwester Johanna brachte uns in die Räume der Kindertagesstätte, wo unser Essen auf uns wartete. Nockerln mit Gulasch (oder hieß es doch anders?) und Gurkensalat (göttlich). Dann legten wir uns erst mal ein bisschen in unseren Zimmern auf’s Ohr.

Abends machten wir mit Bernadette, die sich freundlicherweise für unseren Aufenthalt als Übersetzerin zur Verfügung gestellt hat, eine kleine Tour durch den Ort. An dem Abend spielte eine Blaskapelle auf dem Markt. Wir besuchten ein Denkmal das an die Pest erinnerte und die alte Basilika. Auf dem Rückweg blieben wir für eine Limonade in einer lauschigen Gastronomie hängen - es scheint hier nett zu sein…




Wie war das noch mal in Lauscha?

Vier Wochen habe ich mich in Thüringen herum gedrückt. in einer Stadt die man noch nicht mal leicht findet wenn man es darauf an legt. In einer Gegend in der der Straßenbau sich große Mühe gibt, komplette Orte von der Zivilisation abzuschneiden und die sich durch noch viele, weitere Eigenarten auszeichnet.

Was hat mich eigentlich dort hin gebracht? Angefangen hat das alles letzten Herbst bei Kommunistens auf dem Pressefest in Wischlingen in der Kunsthalle. Da hat mich der Mann in der Nachbarbucht angesprochen ob ich mich mit meinen Panorama-Bildern nicht für ein Stipendium der Goetheschule in Lauscha bewerben möchte. Sie hätten dort viele verlassene Orte die nur auf mich warten würden…

Und so kam es dann auch: Ich hab mir ne schöne Bewerbung raus geschraubt, die Unterlagen eingeschickt und tatsächlich bin ich genommen worden. Mitte Mai fand ich in das enge Tal in dem sich die verschindelten Häuser dich aneinander gedrängt am Berg hoch robben und machte mir Gedanken wie ich meinem Ruf als Lost Places Fotograf gerecht werden könnte. Eigentlich nichts einfacher als das, wenn bereits in der direkten Nachbarschaft bereits ein attraktives, leise vor sich hin verrottendes Bahnhofsgebäude nur darauf wartet nur entdeckt zu werden…

Hätte eigentlich laufen können wie immer wenn ich irgendwo in der Gegend mit meiner Kamera auftauche: Anpirschen, rein gehen, Fotos machen und wieder raus. Müller aufs Rad und weg…

Allerdings hatte ich kein Fahrrad dabei und an ‘weg’ war schon mal gar nicht zu denken. Ich bin nicht von hier und jeder der ich hier sieht weiß auf den ersten Blick: ‘der Typ ist nicht von hier und will wer-weiß-was’. Von ‘unauffällig’ konnte bei mir wirklich nicht die Rede sein.

Was ich die vier Wochen in Lauscha gemacht habe wäre mit Sicherheit nicht möglich gewesen wenn die Leute im Umkreis der Goetheschule nicht so zutraulich gewesen wären. Sie haben mir bei so manchem Sterni Geschichten aus Lauscha erzählt, mir eigenartige Kartenspiele beigebracht und mir Orte gezeigt die ich ohne ihre Hilfe nicht gefunden hätte und sie haben sich sogar dazu bereit erklärt in meinen Fotos das Modell zu markieren.

Rückblickend war’s wie in einem Paradies für Fotografen: Alles fussläufig erreichbar, Menschen die sich gern mit mir getroffen haben und sich jede Menge Hintergrund. Als die vier Wochen vorbei waren hätte ich durchaus noch länger bleiben können. Aber das stand schon die nächste Künstlerin in den Startlöchern. Dieses Mal ist es eine Glaskünstlerin - sie passt irgendwie besser in eine Gegend die von Glashandwerk geprägt ist wie kaum eine Andere. Ich glaube, wie wird mit einem ähnlich positiven Eindruck aus diesem Ort weg gehen müssen wie ich.

Hier werden die Wochentage nach Eis-Sorten benannt, Freitags ist Wurst-Tag und im Penny am Ortseingang sprechen sie eine Sprache die ich nicht verstehe - außer sie unterhalten sich mit mir. Hier gibt es den einzigen ewigen Weihnachtsbaum in Thüringen, Autos werden grundsätzlich mit untergelegtem Bremskeil geparkt und bis auf den Schiefer ist hier fast alles aus Holz - also, bis auf das Glas und die Sachen die sie hier daraus machen. Und sie machen es wirklich überall - im Wald, auf dem Berg, im Tal und praktisch überall in den Häusern - jeder macht irgendwas mit, für oder aus Glas. Es ist der Grund warum es Lauscha überhaupt gibt, es ist bestimmend für seine Vergangenheit, die Gegenwart und sehr wahrscheinlich auch seine Zukunft. Vielleicht konnte ich mit meiner Flachware einen Beitrag für den Ort liefern und vielleicht erinnern sich die Leute hier noch eine Weile an mich - ich für meinen Teil werde mich jedenfalls noch länger an meine Zeit in Lauscha erinnern.

Mein soziales Umfeld hat sich seit meiner Rückkehr an meine Geschichte über Glas, Schiefer und Thüringen gewöhnt - ich gelte inzwischen als Fachmann für die Verarbeitung von Sand und Pottasche. Mal sehen, wie lange sie das noch aushalten…

Leute, wenn Ihr drüber nach denken solltet, Euch mit einer abgelegenen, aber sehr interessanten Gegend auseinander zu setzen - zögert nicht. Da gibt es viel zu entdecken. Und eine schöne Bleibe für die Gastkünstler haben sie auch.

Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht.


Die Farbglas-Hütte

Mitten in Lauscha liegt die Farbglashütte - dort wird, wie der Namen schon sagt, Glas in allen Farben her gestellt. Das gibt es in Stangen und Röhren in einer Qualität und in Eigenschaften wie sie auf der Welt fast nirgendwo zu bekommen sind.

Hier ist auch das Museum für Glaskunst, das Exponate aktueller Glaskünstler und Glaskunst aus den vergangenen 300 Jahren zeigt.

Bei den Werken aktueller Künstler kann ich nur sagen. ‘also, ich könnte es nicht…’ Ich habe in den Galerie die Namen der Kunstwerke und die der Künstler hinterlegt.

Es wurden wohl schon sehr früh auch Skulpturen aus Glas hergestellt - die Produktion kam im frühen 20. Jahrhundert so richtig in Schwung - mit dem Erstarken des Bürgertums entstand ein erhöhter Bedarf an dekorativen Elementen. Jagdmotive erfreuten sich anfangs hoher Beliebtheit. Zu Zeiten des Jugendstils wurden auch kariakturistische Figuren erschaffen und es kam zur Zusammenarbeit zwischen gestaltenden Künstlern und Glasmachern. Die Figuren zeugen von hohem Können und sind teilweise so zeitlos das man sie nicht eindeutig in der Zeit ihrer Erschaffung verorten kann.

Nun waren dekorative Jagdszenen nicht das was die Familien im Tal satt machte - das große Gewerbe in Lauscha ist die Herstellung von Christbaumschmuck. Seit über 100 Jahren stellt man hier die filigranen Kugeln und Skulpturen her die mit ihrem Glitzern zum Jahresende die Stuben verschönerten. Interessanterweise kam für den Ort der finanzielle Durchbruch mit dem Handel solcher Produkte mit den U.S.A. - der Kaufhausbetreiber Woolworth entdeckte diese Handwerksprodukte und importierte sie im großen Stil in die Vereinigten Staaten. Das Geschäft mit Deutschland zog erst später nach, war aber dafür um so beständiger. Selbst zu Zeiten der deutschen Teilung kam der Christbaumschmuck des Westens aus Lauscha in Thüringen und brachte so der DDR Devisen ein. Es gab außerhalb dieser Gegend weder die Materialien zur Herstellung der Glasqualität, noch das Können das es zur Produktion solchen Schmucks bedurfte.

Lauscha ist auch bekannt für seine Glasaugen - ursprünglich wurden hier Puppenaugenaugen produziert. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs gab es immer mehr Menschen mit schweren Augenverletzungen. Ein Augenarzt versuchte die Augenmacher davon zu überzeugen, doch Halbschalen herzustellen die man als Ersatz für ein verlorenes Auge verwenden kann. Anfangs wollten sich die Augenmacher nicht von dem anscheinend lukrativen Geschäft mit den Puppenaugen abbringen lassen. Als dann doch einer von Ihnen menschliche Augen herzustellen begann war das das der medizinische Durchbruch. Augenklappen, die für die ungeschützte Augenhöhle ein hohen Infektrisiko und andere Probleme bargen wurden Geschichte. Die Augen aus Lauscha waren täuschend echt und sind auch heute noch immer ein gefragter Artikel. Sollte Euch mal jemand mit Glasauge begegnen, fragt doch mal wo sein Auge her kommt - sehr Wahrscheinlich stammt es aus Lauscha.

Was wurde noch in Lauscha hergestellt? Hier wurde die Glasmurmel erfunden - und vor allem: die Glasmurmelmaschine, die dieses Spielzeug auch für die Kinder weniger vermögender Menschen erreichbar machte. Glasperlen und Schmuck aus Glas diente als Modeschmuck und wurde weltweit exportiert.

Ich sollte nicht vergessen das ursprünglich Glas unter eher experimentellen Bedingungen in improvisierten Hüttenöfen im Wald geschmolzen wurde - das sogenannte Waldglas mit dem im 16. Jahrhundert alles seinen Anfang nahm. Aus dieser Zeit und dem Zeitraum bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sind Gebrauchsgläser und frühe Zeugnisse des künstlerischen Schaffens zu sehen.

Das Museum ist allemal einen Besuch wert - nicht zuletzt, weil man hier auch viele Dinge aus Glas (was sonst) erstehen kann um sein heim ein bisschen voller und dekorativer zu machen. Eine ganzjährige Verkaufsausstellung mit Weihnachtsschmuck sollte nicht unerwähnt bleiben…

Das Museum featured neben lokalen Größen auch Arbeiten internationale Künstler.








Laura und Oertelsbruch

KZ-Gedenkstätte Laura

Wer oder was ist eigentlich Laura? Laura ist der Name einer KZ-Gedenkstätte bei Lehesten. Hier wurden die Treibwerke der V2-Raketen in einem bis da hin als Steinbruch genutzten Schiefervorkommen, dem Oertelsbruch getestet. Der damalige Betreiber wurde 1943 für dieses Vorhaben zum Verkauf des damals sehr lukrativen Schieferbruchs überredet. Genauer: er wurde gezwungen den Schieferbruch zu einem Spottpreis zu verkaufen. Die Firma wurde in eine Scheingesellschaft überführt die formal vorgab weiter Schiefer abzubauen. Der Ort wurde gewählt weil man davon ausging das die weit von England entfernte Lage hilft, die Triebwerk-Tests zu verbergen. Man glaubte das der bei den Tests entstehende Lärm von der ansässigen Bevölkerung als Schiefer-Abbau verstanden wird. Damals wurde die Raketenforschung- und und der Bau aus Penemünde weiter von England weg und unter die Erde verlegt. Das Ganze wurde dezentralisiert angelegt. Sterförmig um das Lager ‘Mittelbau Dora’ gab es sternförmig angeordnet zuarbeitende Betriebe.

Der Oertelsbruch hatte große Höhlen auf mehreren Etagen im Berg hinterlassen. In diesen Höhlen wurden Anlagen zur Sauerstoffanreicherung und Lagerung des Brennstoffs geschaffen. Leitungen zum Kühlen der Treibwerke förderten Wasser aus den tieferen Lagen der Höhlen - eine umfangreiche Infrastruktur wurde von den KZ-Insassen geschaffen und erhalten. Das Lager wurde in dem ehemaligen Bauernhof des Oertelsbruchs eingerichtet. Der Hof liegt an einem Hang auf einem Absatz direkt neben dem Schieferbruch. Dort war der Lagerbetrieb nicht von Außen einsehbar und eine Flucht quasi unmöglich.

Unter den zu Spitzenzeiten etwa 1000 Inhaftierten befanden sich neben den Üblichen Insassen eines solchen Lagers auch ca 150 italienische Militärangehörige die nach dem Gesinnungswechsel Mussolinis sich unerwartet in Feindesland befanden. Das Aufsichtspersonal setze sich aus Menschen zusammen die in anderen Lagern bereits den ruf besonderer Brutalität errungen hatten. Bei den Anforderungen an die Häftlinge ein Paradox: für die zu verrichtenden Arbeit wurden zum größten Teil qualifizierte Spezialisten benötigt die man nicht an jeder Ecke findet. Diese Menschen unter Bedingungen zu internieren die zweifellos zu deren Tod führen würden ist keine kluge Idee und hat sich sehr schnell auch als solche herausgestellt. So gab es dann unterschiedliche Behandlungen je nach Wichtigkeit der Inhaftierten. Die Italiener waren weder der Zwangsarbeit, noch den klimatischen Bedingungen in Thüringen gewachsen - aus ihrer Gruppe gab es keine Überlebenden.

Mit dem steigenden Kriegsdruck auf das dritte Reich wurden die Lieferwege zwischen den unterschiedlichen Produktionsstätten zunehmend schwierig. So stapelten sich in Laura die getesteten Triebwerke da man sie nicht zurück nach Dora transportieren konnte. Es zeichnete sich ab das das Lager aufgelöst und die Internierten in andere Lager transportiert werden müssen. Die die den Transport überlebten wurden in den neuen Gefängnissen von den anderen Häftlingen getrennt da es sich um Geheimnisträger handelte und man befürchtete das ihr Wissen die Kriegsmoral gefährden könnte.

Mit Kriegsende geschah das was so an den Raktenproduktionstellen passierte: Die Amerikaner kamen und nahmen mit was sie tragen konnten, dann kamen die Russen und betrieben Resteverwertung, sprich: sie testeten die von den Amerikanern zurück gelassenen Triebwerke und transportierten danach alles nach Russland. Der Umstand das der Ort ein KZ war ist darüber aus den Augen verschwunden.

Eine LPG nutzte den Bauernhof für die landwirschaftliche Produktion und alles nahm seinen Gang als gäbe es die schlimme Vergangenheit nicht. Es ist Bewohnern auf dem Bauernhof zu verdanken das viele der heutigen Exponate noch existieren. Der Umgang mit dem Lager änderte sich erst als Überlebende des Lagers zum Gedenken an den Ort kamen und die Situation kritisierten. Von da an wurde der Ort als Gedenkstätte ausgebaut.

Die Wohnanalgen des ehemaligen Oertelsbruch sind heute ungenutzt - sie beschäftigen sich seit kurz nach dem Mauerfall mit ihrem eigenen Verfall. Die Ansiedlung verstrahlt eine zauberhafte Tristesse des Verfalls, ist aber auch ein Tummelplatz für Geo-Cacher und Leute die Eingänge zu dem Stollensystem im Schieferbruch suchen - Aus den Kellergeschossen der Häuser gab es direkte Eingänge dort hin - allerdings sind die betreffenden Häuser heute eher Müllhaufen als Orte die ich betreten würde.