BLOG Müller unterwegs

Hallo!
In diesem Blog werde ich mich mit meinen Reiseaktivitäten auf dem Fahrrad beschäftigen. Aktuell stehe ich in den Vorbereitungen für eine Fahrt nach und durch Ostdeutschland, die im Juli/August diesen Jahres stattfinden soll. - Wenn Ihr mitverfolgen wollt was ich alles im Vorfeld der Reise so unternehme und was während der Reise daraus wird, so ist dies hier die Adresse um auf dem Laufenden zu bleiben...

Hallo!
in this blog I will write about my traveling activities riding a bicycle. The project I am preparing recently is a journey to and through eastern Germany which should happen in July/August this year. Maybe you want to follow this blog, read what I am doing to prepare me for this trip and what it will be like in the end - so this is the right address to be up to date...

04.08.15 - Prora - Binz - Sellin - Baabe - Thiessow: 42 Kilometer

Die Möwen auf Prora sind ziemlich laut. Ich muss mal die der Leitung der Jugendherberge darauf ansprechen... Ich wollte vor meiner Abfahrt noch das Informations- und Dokumentationszentrum Prora besuchen das neben der Jugendherberge in einem unrenovierten Teil des Gebäuderiegels untergebracht ist.

Das Dokumentationszentrum Prora

Sie bieten dort eine Führung über das Gelände an die ich wahr nahm. Als der heute Weltkrieg begann war für den Gebäudekomplex Baustopp. Zu dem Zeitpunkt standen 4,5 Kilometer lang die Häuser für die Unterbringung der Urlauber im Rohbau. Die Gemeinschaftsjäuser waren nur teilweise als Fundamente angelegt. Eine geplante Veranstaltungshalle für 20.000 Menschen und die Uferpromenaden/Anleger für die KDF-Schiffe waren nie begonnen worden. So wurden die Gebäude nur teilweise als Lazarett genutzt und gegen Ende des Krieges für die Unterbringung von Flüchtlingen. Nach dem Krieg wollte man die Häuser wieder beseitigen und hatte auch schon mit der Sprengung eines Gebäuderiegels begonnen als der Kalte Krieg begann und man die militärische Nutzbarkeit der Gebäude erkannte.

Zuerst war dort die Kasernierte Volkspolizei stationiert - als die Armee in der DDR gegründet wurde verwandelte sich die Volkspolizei in die NVA. Anfänglich waren dort Panzer und Artillerie für Training und Manöver stationiert. Da man sie schweren Geräte aber nur über das Nadelöhr Rügendamm von der Insel herunter bekam wurden die Einheiten so verlegt das sie grenznaher waren. Diverse Einheiten waren dort stationiert - unter anderem Kampfschwimmer und andere Spezialeinheiten die in den Ruinen trainierten. Später waren dort auch die Bausoldaten stationiert - als die Zahl derer die den Dienst mit der Waffe verweigerten so stark anstieg das man sie nicht mehr gut in Zuchthäuser stecken konnte würde dieser 'Ersatzdienst' geschaffen wo die Verweigerer in militärischen Bauprojekten eingesetzt wurden. Der Standort entwickelte sich zu einer Keimzelle des Zivilen Widerstands da dort Andersdenkende aus der ganzen DDR konzentriert wurden.

Viele Menschen die die Wende mit gewaltfreiem Widerstand herbei führten waren zuvor als Waffenverweigerer in Prora stationiert. Ach der Wende wurde Prora entmilitarisiert und die Gebäude standen eine ganze Zeit lang leer. Jetzt wird in den noch erhaltenen Gebäuden wird nun fleißig renoviert und umgebaut. Während die Jugendherberge noch umfangreiche Denkmalschutz-Auflagen erfüllen musste geht man es auf der neuen Baustelle deutlich lockerer an. Hier entstehen Eigentum-Appartments für den gehobenen Bedarf - der aktuelle Quadratmeterpreis liegt bei ca. 6000 Euro. Die Süddeutsche titelte: 'hier wird ein Baudenkmal der Nazi-Ideologie durchgentrifiziert' - und tatsächlich maulen die Bewohner der schon fertigen Appartements bereits herum das da Leute an 'ihrem' Strand herumliegen und versuchen den Badegäste den Zugang zum Strand zu verweigern . Die Sache hat Potential...

Währenddessen beklagt das Informationszentrum  dasdie öffentliche Hand die Renovierung des Gebäudeteils verschleppt in dem das Dokumentationszentrum seine Arbeit tut. Es hat den Anschein das man damit liebäugelt auch dieses Geböude zu verkaufen. Übrigens sind auch die gesprengten Ruinen für ordentlich Geld verkauft worden - dieses mal an ein Konsortium in Lichtenstein - wenn der Profit winkt geht plötzlich alles... Der Tag war schon ordentlich voran geschritten als ich mich auf den Weg nach Thiessow machte. Ich hatte mich zuvor noch im Dokumentationszentrum nach einem Radweg in die Richtung erkundigt - bis Binz sollte er ganz schön sein, dann aber nicht mehr so toll. Die Auskunft war sehr richtig. Was genau 'nicht mehr so toll' heißt habe ich dann herausfinden können. Der Weg von Binz nach Sellin führt über einen ziemlichen Hügel auf dessen Spitze zur Belohnung das Jagtschloss Granitz thront. Bis da hin gilt es aber gute zwei Kilometer Steigung im Bereich um 20% zu überwinden. Es gab unterwegs immer mal wieder Wegweiser die konkurrierende Wege nach Sellin anboten, eine Radfahrerin aus der Gegend versicherte mir das sie alle über den Gipfel führen. Der Hügel ist ein Biosphärenreservat, die Vögel wollten sich heute aber nicht zeigen. Der Abstieg hatte auch seine Qualitäten. Während es von Binz aus noch geteert hoch ging gab es jetzt Kieselsteinpflaster, Schotter und feinen Sand im bunten Wechsel und auch gerne gemischt bei 20% Gefälle - der Sand auch gern so dick das die Reifen komplett einsinken. So froh ich war das ich nicht diese Steigung nach oben genommen hatte, so mulmig war mir bei dem Gedanken das mir das schwer beladene Rad beim Abstieg abschmiert. Zum Glück ist nichts passiert. Mit mir haben auch Familien mit kleinen Radanfängern und Kinderanhängern ihr Glück versucht - beneidet habe ich sie darum nicht. Der restliche Weg war landschaftlich sehr schön - ich hatte vor gehabt Hühnengräber zu besuchen die es dort geben sollte. Mangels Ausschilderung habe ich sie nicht gefunden. Als ich in Thiessow auf dem Campingplatz ankam war der eigentlich voll ausgebucht. Einen Radreisenden wollten sie aber nicht wegschicken. Es fand sich für mich und mein Zelt ein lauschiges Plätzchen zwischen Toilettenhaus und Kinderspielplatz. Wegen dem zweiten habe ich viele Wörter lernen können die ich bisher noch nicht kannte, deren Anwendung aber eher schwierig ist - Reisen bildet ;-)

Von meiner IBM 72 gesendet