BLOG Müller unterwegs

Hallo!
In diesem Blog werde ich mich mit meinen Reiseaktivitäten auf dem Fahrrad beschäftigen. Aktuell stehe ich in den Vorbereitungen für eine Fahrt nach und durch Ostdeutschland, die im Juli/August diesen Jahres stattfinden soll. - Wenn Ihr mitverfolgen wollt was ich alles im Vorfeld der Reise so unternehme und was während der Reise daraus wird, so ist dies hier die Adresse um auf dem Laufenden zu bleiben...

Hallo!
in this blog I will write about my traveling activities riding a bicycle. The project I am preparing recently is a journey to and through eastern Germany which should happen in July/August this year. Maybe you want to follow this blog, read what I am doing to prepare me for this trip and what it will be like in the end - so this is the right address to be up to date...

Auf den Spuren des Zauberlehrlings

Was macht man eigentlich wenn man etwas ganz Anderes vor hatte und nun
plötzlich in einer zwar irgendwie ganz hübschen, ansonsten aber nicht
so wirklich weltoffenen Stadt fest hängt? Ich hate gehört das ganz in der Nähe eine historische Eisenbahnroute
verkehrt - eines der dort verkehrenden Dampfrösser hat Berühmtheit als
der so genannte 'Hogwards-Express' erlangt. Ich habe eine Schwäche für Dampfmaschinen - ganz besonders für die,
die auf Schienen unterwegs sind - also habe ich mich danach erkundigt
wie man da mit fahren kann. Nun, 'ganz in der Nähe' ist wohl her relativ zu verstehen. Die
Bahnlinie verkehrt ab Fort William - da komme ich mit dem Rad schon
mal nicht so einfach hin. Ich war zu allem entschlossen und kaufte mir
ein Busticket dort hin und erstand über das INternet ein Ticket für
einen Bahnausflug im Zauberschloss-Express in der Holzklasse - vorn
beim Lockführer darf man anscheinend nicht mit fahren... Das hieß für mich am Sonntag früh aufstehen - um 7:45 musste ich den
Bus in Inverness Busbahnhof erwischen um rechtzeitig in Fort William
zu sein. Der Wecker hat mich nicht im Stick gelassen und zur passenden Zeit saß
ich mit einem Fresspaket bewaffnet an der Bushaltestelle zwischen den
Resten der Samstag Nacht - und das waren mal Reste! Wer Samstag Abend nach Inverness kommt um da mal so richtig Party zu
machen, der muss zu sehen das er die Zeit bis zum ersten Bus irgendwie
rum bekommt also lange und ausgiebig Party machen. Ein Sortiment auf
das diese Beschreibung passt hing in unterschiedlichen Ausführungen an
den Wartehäuschen herum. DIe Möwen - allgegenwärtig in der Stadt und
der festen Meinung, die Häuser seien alle nur für sie gebaut -
belauerten die Versammlung, ob nicht irgendeiner was Essbares fallen
ließ. Wahrend in unseren Städten darum gebeten wird das man nicht die
Tauben füttern soll kleben hier überall Hinweise das man den Möwen
nichts zu Essen geben soll - Tauben sind hier eher eine verschüchterte
Nischenerscheinung... Knapp zwei Stunden dauert die Fahrt mit dem Bus nach Fort William -
die Fahrt endet gleich neben dem Bahnhof aus dessen Gleisen eine
deutlich sichtbare Rauchfahne verrät wo denn wohl die Dampflock
abfahren wird. Ich Knauserbirne hatte mir ein zweiter Klasse Ticket
besorgt - hätte ich so fahren wolle wie Ron Wiesley und seine Freunde,
dann währe ein erster Klasse Ticket notwendig gewesen - ich war aber
weniger wegen des Cineastischen Nacherlebens gekommen (die Eule hat
nicht in den Koffer gepasst) sondern wegen der historischen Technik
und der Landschaft. Vor der Abfahrt hat man die Gelegenheit die Lokomotive am Bahnsteig zu
fotografieren und darf auch mal in den Führerstand klettern und die
Armaturen bestaunen. Die Leute auf dem Bock sind freundlich und
meistern die touristische Aufdringlichkeit wirklich routiniert. Fort
Williams und die Endstelle Mallaig sind übrigens die beiden Bahnhöfe
in denen man die Lokomotive richtig herum am richtigen Ende des Zuges
sehen kann. Alle anderen Halts auf der Strecke sind an Bahnhöfen die
einen zu kurzen Bahnsteig haben als das man bis zur Lok durch käme.
Wer (so wie ich) gerne ein Foto der Lokomotive mit kompletten Rädern
haben möchte sollte sich in Glenfinnan an einen der Mitarbeiter im Zug
ran schmeißen und ihm die Kamera mit geben damit er die Lokomotive für
einen fotografiert. Der Kollege den ich mit meiner Panoaramakiste los
geschickt habe war hellauf begeistert das da noch einer mit einem
Belichtungsmesser arbeitet - sowas hätte er seit Ewigkeiten nicht mehr
gesehen. Ich hoffe das er seine Sache gut gemacht hat - die
liebenswürdige Technik mit der ich arbeite wartet immer auf Leute die
sie veralbern kann. Der Kollege wird eine LMS BLack 5 4-6-0 sein -
man merkt das ich das nicht so genau auf dem Schirm habe, aber das
Modell für Harry Potter ist rot... In Glenfinnan gibt es auch ein kleines (wirklich kleines!) Museum das
man während des Halts besuchen kann. Die Zeit reicht dicke für die
Exponate aus. für 50 Pence bekommt man historische Dokumente über den
Bau der Linie und die Anfangsjahre des Eisenbahnbetriebs zu sehen. Wer gerne Dampflokomotiven Fotografiert sollte sich vielleicht besser
an der Strecke aufbauen und das gute Stück in der Vorbeifahrt
fotografieren - wer gern das Gefühl von Eisenbahnromantik erleben
möchte ist im Zug besser aufgehoben. Die Geräusche der Lokomotive sind
toll zu hören wenn man die Fenster öffnet und innerhalb kurzer Zeit
hat es ein halbes Pfund Ruß und Kohlenstaub ins Abteil geweht. Wenn
man in den Tunneln die Fenster offen hat drückt es den ganzen Rauch
ins Abteil - genau so was sucht man ja überall verzweifelt... Fotos von der Gegend kann man ganz gut aus den Fenstern auf dem Gang
machen - sie sind groß genug das man seinen Kopf/Oberkörper mit der
Kamera heraus strecken kann. Aber Vorsicht: Büsche und Felsen kommen
teilweise bis auf Tuchfühlung an den Zug heran! Außerdem bekommt man
den ganzen Ruß ins Gesicht und besonders die Augen. Ich habe mir sagen
lassen das sich Fotos von der Gegend besser aus einem der regulären
(modernen) Züge machen lassen weil die nicht so sehr schaukeln, aber
ich gebe mal die Hoffnung nicht auf das auch das das auch so was
geworden ist. Die Endstelle Mallaig beschert einem eineinhalb Stunden Aufenthalt -
die Lokomotive muss an die andere Seite des Zuges umgesetzt werden und
fährt dann rückwärts (Tender Voraus) zurück. Der Ort bietet auch genau
für die veranschlagte Zeit Attraktionen - ein Rudel Fischerboote und
ein paar Cafés und Fressbuden. Man kann sich in Ruhe ansehen wie das Zugpersonal die Lok an das
andere Ende des Zuges bugsiert und dann noch entspannt was essen
gehen... Der Zug hat auch einen Speisewagen und man wird auch am Platz verwöhnt
(wenn man das will). Die Fahrt ist ihr Geld wert und wenn man lang genug im Voraus plant
kann man die Fahrt mit der historischen Bahn auch gut in eine Reise
zur Ile of Sky einbinden - der Zug verkehrt auf einer regulären
Strecke und hält seinen Fahrplan strict ein weil er den regulären
Verkehr nicht behindern darf. Wer Harry Potter Fans in den Zug
schleifen will sollte in den (sauren) Apfel beissen und die Tickets
erster Klasse buchen (man sitzt dann im Film-Abteil). Es macht
vielleicht auch Sinn, sich zu erkundigen wann die Lokomotive fährt die
im Film verwendet wurde. Ich habe mir sagen lassen das mit dem Erscheinen der Romane bzw. des
Films von Harry Potter die Nachfrage auf der Strecke massiv
angestiegen sei - es freut mich für die Leute die ein solches
Museumsstück am leben halten. Ein Geheimnis der Fahrplangestaltung für Sonntags sorgte dafür das ich
zwei Stunden im Kundencafé von Morrisson verbringen durfte - kurz vor
vier bzw. kurz vor der Rückkunft des Zuges in Fort William fuhr noch
ein Bus - dann erst wieder um 18:15. Es hat ja auch sein gutes - ich
kann jetzt die englische Hitparade mitsingen und weiss das bensonders
an Kasse vier in dieser Filiale gerne Storno-Bons auflaufen... Nach zwei Stunden beeindruckend sportlicher Fahrt in einem Überlandbus
war ich wieder in meinem Bettchen in der Jugendherberge - die Koje da
ist übrigens ein guten Training wie es sich wohl in einem Sarg
anfühlt. Ich habe die obere Koje in einem Etagenbett belegt und trete
bei jedem Umdrehen die Platten der abgehängten Decke aus der
Halterung. Mehrfach in der Nacht schalte ich mit dem Ellenbogen
unwillkürlich das Leselicht ein. Es sind Aufkleber an den Betten das
man oben keine Kinder unter sieben Jahren schlafen lassen soll - aber
was soll den sonst da rein passen?