BLOG Müller unterwegs

Hallo!
In diesem Blog werde ich mich mit meinen Reiseaktivitäten auf dem Fahrrad beschäftigen. Aktuell stehe ich in den Vorbereitungen für eine Fahrt nach und durch Ostdeutschland, die im Juli/August diesen Jahres stattfinden soll. - Wenn Ihr mitverfolgen wollt was ich alles im Vorfeld der Reise so unternehme und was während der Reise daraus wird, so ist dies hier die Adresse um auf dem Laufenden zu bleiben...

Hallo!
in this blog I will write about my traveling activities riding a bicycle. The project I am preparing recently is a journey to and through eastern Germany which should happen in July/August this year. Maybe you want to follow this blog, read what I am doing to prepare me for this trip and what it will be like in the end - so this is the right address to be up to date...

Meine Flucht aus Aberdeen

Das Hostel atmet die Victorianische Zeit - Atrium-Treppenhaus,
ordendlich Stuck unter der Decke und in der Nacht jede Menge SMS-Töne... Ich schlief in einem Saal mit 15 anderen Typen und - das hätte ich mir
ja denken können - seit meinem letzten Hostel-Aufenthalt vor 20 Jahren
hat natürlich jetzt die moderne Technik das Sagen. Ein paar meiner
Zimmergenossen lebten auf dem Standpunkt, das man auch durchaus in
einem voll besetzten Schlafsaal so tun könne als sei man allein
zuhause. Mein Bettnachbar wusste mir am anderen Morgen zu erzählen das
er mitten in der Nacht wach geworden sei weil einer der Mitschläfer
erst mal gediegen ne Dose Bier auf gemacht hätte um dann noch per SMS
seine Liebschaften zu pflegen - natürlich nicht stumm geschaltet... Das wusste mit mein Nachbar von unten (wir haben Etagenbetten) beim
Frühstück zu erzählen. Er und seine Freundin waren in Aberdeen genau
so wie ich vom Bettenmangel während der Woche überrascht worden. Sie
wusste zu erzählen das in ihrem Schlafsaal eine Frau mitten in der
Nacht laut knuspernd eine Tüte Chips verdrückt hatte... Das Hostel hat eine Große Küche und zwei Speisesäle, das Frühstück
wird aber in einem kleinen, davon völlig abgeschlossenen Bereich
serviert. Nach vorheriger Anmeldung und Bezahlung darf man in diesen
Bereich gepflegten Luxus eintauchen und trifft dort auf Menschen die
unsere Irritationen weitgehend teilen. Vielleicht ist das ja alles nur
eine Frage wo man Normalität verortet... Ich machte mich nach dem Frühstück daran, meine Sachen wieder zusammen
zu packen und das Rad zu beladen. Nach den Erfahrungen der letzten
Tage entschloss ich mich, dem ursprünglichen Verlauf des Radwanderwegs
zu folgen. So toll sind die Fernstraßen in Schottland nun auch nicht,
das man sich drauf mit einem Rad herumdrücken sollte. Mein Weg aus Aberdeen war von kleinen Hindernissen gekennzeichnet - Im
Verlauf des Weges waren umfangreiche Staßenarbeiten begonnen worden
die mich teils zu Umwegen, teils zu Geschicklichkeitsparcous zwischen
Bauabsperrungen zwangen. Es ist wohl allein meinem Willen zur Freiheit
zu verdanken das ich nach zwei Stunden dann doch den Flughafen bzw.
die Ortschaft Dyce erreicht habe - nach eigenen Auskünften eine
blühende Ansiedlung. Dort fand sich auch ein Tesco, wo ich meine
Lebensmittelvorräte ergänzen konnte. Es ging dann noch ein bisschen über Straßen weiter, dann ging der
Radwanderweg auf die ehemalige Trasse einer Eisenbahn. Es ist toll auf
einer Strecke zu fahren die nicht mehr als 5% Steigung hat - speziell
wenn man so beladen ist wie ich. Leider blieb das nicht so - endlich
hatten mich die Schotischen Hügel und die lustig über sie hinweg
führenden Landstraßen wieder. Hier zeigten sich dann auch die
Schwächen einer Schaltung die sich lediglich auf sieben Ritzel am
Hinterrad beschränkt. An den Steigungen fehlte das entscheidende
bisschend as es mir ermöglicht hätte ohne Schieben hoch zu kommen,
dafür konnte ich mich an den Gefällestrecken nur rollen lassen statt,
wie sonst, noch zusätzlichen Schwung für die darauf zwangsläufig
folgende Steigung zu bekommen. Zum Glück komme ich ja nur ein mal in
diese Gegend - da können mich dann auch gerne alle mal leiden sehen. Später traf ich wieder auf eine ehemalige Bahnlinie und alles war
wieder schöner. Noch schöner war, das diese Trasse unter anderem auch
nach Peterhead, einem der Ziele auf meiner alternativen Strecke
führte. Ich beschloss, auf diesem Verlauf zu bleiben und fuhr durch
Hochmoor-artige Landschaft, die ihre Schönheit durch die deutlich
sichtbare Erosion erhält. Wenn man bedenkt das Schottland früher
einmal komplett bewaldet war. Kelso hatte mir erzählt das der
Baumbestand zugunsten der Schafzucht gerodet worden war. Da, wo ein
mal Schafe fressen kommt dann auch kein Baum mehr hoch. In manchen
Gegenden mache sich komplette Berghänge auf den Weg ins Tal - überall
im Hochland kann man Abbruchkanten sehen die das darunter liegende
Erdreich frei legen. Bäche und Flüsse schwellen nach Regenfällen
regelmäßig so an das die Ufer und daran liegende Häuser weg geschwemmt
werden. Auch an den Küsten konnte ich sehen das das Meer sich in
letzter Zeit mehr olen kommt als sonst bei den Stürmen. Überall werden
Felsbrocken aufgeschüttet und man kann sehen das die Flut Mauern
weggerissen hat die zum Küstenschutz aufgestellt wurden. Ich muss
zugeben das meine Fotos diese Schäden an der Landschaft irgendwie
verklärt wiedergeben - es ist schon paradox das eine schlimme Sache so
schön aussehen kann. Andersrum ist es aber auch paradox das eine schöne Sache so schlimm
sein kann. Zum Beispiel die Bahntrasse von Maud nach Peterhead - toll angelegt und geschottert, aber da wo es
Kreuzungen mit Straßen gibt sind Sperren abgebracht die die Radfahrer
verlangsamen sollen - in meinem Fall sogar so, das ich jedesmal das
Gepäck abnehmen musste um durch die Sperre zu kommen. Keine Ahnung was
die Dinger sollen. Wahrscheinlich brauche irgendeine Handwerksklasse
eine Aufgabe wie 'Rohre winklig zusammenschweißen' - die Dinger wirken
ganz stark wie das Ergebnis einer solchen Beschäftigungstherapie. Gibt
es in der Gegend eigentlich keine Spielplätze die man mit
Klettergerüsten ausstatten kann anstelle die Radfahrer zu quälen? Ich fand in Mintlaw einen Campingplatz - wie auf allen Campingplätzen
wird mir zusammen mit den anderen Leuten mit Zelt eine von der
Rezeption weit entfernte Stelle zugewiesen. Das beschert mir eine
kleine Wanderschaft zum Klo - aber das ist halt so und wird mir so
sicher auch noch ein paar mal passieren. Der Campingplatz ist sauber
und die sanitären Einrichtung sind gut. Ich nutze die Gelegenheit und
wasche meine Wäsche.